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Hydraulischer Abgleich - Muster-Berechnung Selfio Beim hydraulischen Abgleich wird die Menge an Heizwasser für jeden einzelnen Heizkörper reguliert. So wird die Wärme in den Räumen gleichmäßig und energiesparend verteilt und lästige Strömungsgeräusche verschwinden. Voraussetzung für den hydraulischen Abgleich ist in der Regel eine Heizlastberechnung.

Bei Neubauten wird der hydraulische Abgleich üblicherweise im Rahmen der Heizlastberechnung erstellt und nach Installation der Anlage auch durchgeführt. Hier liegen also alle Informationen vor, die man benötigt, um den hydraulischen Abgleich zu berechnen. Jedoch fehlt dieser Abgleich bei rund 90 Prozent der Heizsysteme in Deutschland.

Wie führt man also einen hydraulischen Abgleich an einem bestehenden Fußbodenheizungssystem durch, wenn keine Heizlastberechnung durchgeführt wurde?

Wir geben Euch eine kleine Anleitung, wie man auch für solche Systeme einen überschlägigen hydraulischen Abgleich berechnen und durchführen kann.

 

Hydraulischer Abgleich und Heizlastberechnung

Um die benötigte Wassermenge der einzelnen Räume berechnen zu können, ist es notwendig, vorher herauszufinden, wieviel Energie benötigt wird, um den jeweiligen Raum zu beheizen. Hier kann man anhand des Baujahres und den zu diesem Zeitpunkt jeweils geltenden Verordnungen sowie den häufig verwendeten Baustoffen folgende näherungsweise Werte pro Quadratmeter annehmen:

Energiebedarf eines Hauses:

Neubau:

40 W/m²

1995 – 2005:

60 W/m²

1980 – 1995:

80 W/m²

1970 – 1980:

100 W/m²

Vor 1970:

120 - 150 W/m²

  

Diese Werte sind natürlich nur überschlägig, können aber als Richtwert recht gut herangezogen werden.

Bei Bädern wird dieser Wert pauschal um 20 W/m² erhöht, weil die Temperaturen der Bäder oft höher sind als in den übrigen Räumen des Gebäudes. Dies gilt auch für Kellerräume, die gegen das Erdreich gedämmt sind.

Somit hat man einen ungefähren spezifischen Heizwärmebedarf eines Gebäudes.

Um die Heizleistung pro Raum herauszufinden, muss dieser Wert mit der Quadratmeterfläche des Raumes multipliziert werden. In unserem kleinen Beispiel gehen wir von einem Wohn- und Schlafzimmer mit 40 , einer Küche mit 15 und einem Bad mit 5 aus. Das Gebäude wurde im Jahr 2000 erbaut. Also erhalten wir folgende Heizlasten für die einzelnen Zimmer:

Hydraulischer Abgleich - Muster-Berechnung Selfio 

Als nächste Information benötigen wir die Temperaturdifferenz zwischen der Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung und deren Rücklauf, der sogenannten Spreizung. Ist diese nicht bekannt, kann ein Wert von 8 Kelvin angenommen werden.

Mithilfe der spezifischen Wärmekapazität des Wassers kann man nun die Wassermenge berechnen, die benötigt wird, um den Raum mit Heizenergie zu versorgen.  Die spezifische Wärmekapazität des Wassers bezeichnet die Energiemenge, die benötigt wird, um 1 Liter Wasser um 1 Grad Celsius zu erwärmen. Die ist natürlich gleich der Energiemenge, die auch frei wird, wenn 1 Liter Wasser um 1 Grad Celsius abgekühlt wird.

 

Die benötigte Wassermenge berechnet sich nach folgender Formel:

Wassermenge = HeizlastRaum / (spezifische Wärmekapazität des Wasser x Spreizung FBH)

 

In unserem Beispiel ergibt sich für das Wohnzimmer folgende Wassermenge:

Wohnzimmer: 2400 Watt / (1,16 Wh/l x K x 8K) = 258,6 Liter / Stunde

 

Also 260 Liter pro Stunde Heizungswasser.

Um die Durchflussmenge in Litern pro Minute zu ermitteln, wird dieser Wert durch 60 Minuten geteilt. Man erhält einen Durchfluss von 4,3 Litern pro Minute für diesen Raum.

Ist am Verteiler zu erkennen, dass ein Raum mit mehreren Heizkreisen versorgt wird, teilt man die Wassermenge gleichmäßig auf die Heizkreise auf – in der Annahme, dass auch die Heizkreise gleichmäßig verlegt wurden.

Für die beiden anderen Räume ergeben sich folgende Wassermengen:  

Für die Küche: 900 W / (1,16 Wh/l x K x 8K) = 97 Liter/h = 1,6 L/min
Und für das Bad: 400 W / (1,16 Wh/l x K x 8K) = 43 Liter/h = 0,7 L/min

Diese Wassermengen können nun am Heizkreisverteiler eingestellt werden.

Eine Grundvoraussetzung für die Durchführung des hydraulischen Abgleichs sind natürlich Heizkreisverteiler, die über einstellbare Ventile verfügen. Am einfachsten geschieht dies mit Heizkreisverteilern, die für jeden Heizkreis über einen Durchflussanzeiger, einen sogenannten Flow Meter verfügen. Damit lässt sich über eine Stellschraube am Durchflussanzeiger oder am Ventil selber der Durchfluss jedes Heizkreises individuell einstellen.

So ist das System überschlägig hydraulisch abgeglichen und arbeitet wesentlich effizienter als vorher. Ein kleiner Aufwand mit großer Wirkung. Umwelt und Geldbeutel werden es Euch danken.

In diesem Sinne: Do it yourself. Aber do it richtig.
Schöne Grüße

Jörg Elmer 

Bildnachweis: ©Goss Vitalij @fotolia.de, ©elenabsl @fotolia.de

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17 Kommentare
Daniel Witt | 3. Mai 2018 at 11:13 Antworten
Ich hätte eine Frage zur spezifischen Wärmekapazität des Wasser. Wie kommen Sie in ihrer Beispielrechnung auf 1,16?
Jörg Elmer | 20. Juni 2018 at 13:57 Antworten
Hallo, danke der Nachfrage. Also, 1 Wh entspricht 3,6 kWh (60 sec. x 60 sec. = 3.600 geteilt durch 1.000) oder 3,6 kJ
Da die spezifische Wärmekapazität von 1 kg Wasser mit 4,187 kJ bekannt ist und der Zusammenhang von Wh zu kJ, muss dieser Wert nur durch 3,6 (kJ) geteilt werden und man kommt auf einen Faktor von 1,16. Viele Grüße.
Dafi | 5. November 2018 at 13:55 Antworten
Moin, ich glaueb da hat sich ein Fehler eingeschlichen, entspricht nicht 1Ws (nicht 1Wh) = 3,6kWh bzw. 1J = 3,6kJ?
Verena | 30. Dezember 2018 at 18:27 Antworten
Anders herum - 1 Wh = 1 W x 60 Minuten = 1 W x (60 x 60s) = 3600 Ws = 3,6 kWs - und da 1 Ws = 1J (Energie = Leistung x Zeit in den SI-Einheiten), ergibt sich draus 3,6 kJ. Somit stimmt die Rechnung durchaus, da ist lediglich ein Tippfehler drin (tatsächlich sogar zwei, denn 60 sec. x 60 sec. wäre natürlich sec.^2 im Ergebnis, die erste 60 steht aber für die Minuten der Stunde, die zweite für die Sekunden der Minute, Endergebnis Sekunden - das ist aber schon Haarspalterei, ich glaube, das kapiert auch so jeder).
Udo Beushausen | 23. August 2018 at 09:23 Antworten
Hallo,
in der Berechnung der Durchflussmenge wird ein K angegeben welches sich mir nicht erschließt. 8K als Spreizung leuchtet mir ein aber mit was werden die 1,16 multipliziert?
Dennis | 22. Oktober 2019 at 11:42 Antworten
Hallo, ich komm immer noch nicht auf das k um die Rechnung nach zu vollziehen. Was steht da als Wert k nach nem 1,16 bitte.
Udo Beushausen | 23. August 2018 at 11:06 Antworten
....Frage hat sich gerade erledigt.
Johann Grünwald | 29. September 2018 at 20:01 Antworten
Hallo

Was das k würd mich auch interessieren aber nicht die spreizung!
Robert | 11. Oktober 2018 at 13:45 Antworten
Hallo, K wird bestimmt der Korrekturwert sein. Fliesen 1.0 Laminat 1.2 und Teppich 1.4
Dafi | 5. November 2018 at 13:51 Antworten
Nein, das "K"(=Kelvin) gehört zur Einheit der spezifischen Wärmekapazität, sonst würde die Einheit vom Ergebnis (Volumenstrom) nicht l/h sein.
Simon | 28. Oktober 2018 at 11:52 Antworten
Hallo,
ist diese Beschreibung nur für eine Fußbodenheizung gedacht?
Wie berechne oder bzw. gehe ich vor wenn ich einen hydraulischen Abgleich meiner Einrohrheizung durchführen möchte?
Doppelhaushälfte Baujahr:1984,als Heizkörperventile sind Heimeier E-Z Ventile verbaut.
Gruß
Simon
Dafi | 5. November 2018 at 14:08 Antworten
Das ist hier nur eine sehr grobe Darstellung des hydraulischen Abgleichs, im Bestand ist es erforderlich die Nennleistung der Heizkörper zu ermitteln. Da nicht alle Heizkörper gleich sind (Konvektions- und Strahlungswärmeabgabe varieren starkt von Typ zu Typ), wird mit hilfe eines Heizkörperexponenten, der Systemtemperaturspreizung und der gewünschter Raumlufttemperatur, die benötigte Übertemperatur der heizkörper ermittelt. Daraus kann man wiederum den benötigten Durchfluss der Heizkörper berechnen.
Andreas H. | 7. Januar 2019 at 18:55 Antworten
Hallo, ich habe mir mit großem Interesse ihren Beitrag und das dazugehörige Video auf YouTube angesehen. Ich habe die Berechnung gemäß ihrer Rechnung durchgeführt, wollte die Ventile gemäß einstellen. Aber irgendwie kommt gar nicht so viel Druck, dass ich zum Beispiel 2 ltr/std einstellen kann. Was kann ich machen? Vielen Dank für Ihre Hilfe. Ich bekomme in keinem Raum mehr als 21 grad Temperatur. Egal ob im OG oder im Raum direkt neben der Heizung.
Ramon | 13. November 2019 at 08:51 Antworten
@ Andreas: Hallo, hast Du zu Deiner Frage in irgendeiner Form eine Antwort erhalten? - Ich habe das selbe Problem.
Letzte Woche wurde meine FuBo in Betrieb genommen (20 Heizkreise). Ich habe mir für alle Heizkreise die Durchflussmengen berechnet. Diese liegen zwischen 0,7 und 2,8 L/min. Allerdings: Selbst wenn ich die Durchflussmesser so weit rausschraube, wie möglich, zeigen sie max. 1 L/min an. Mehr geht nicht einzustellen?!

Gruß,
Ramon
Mischa | 20. September 2019 at 17:20 Antworten
Hallo,
ich glaube bei mir stimmen die Einstellungen am FBH Verteiler nicht.
Alle Thermostate sind komplett offen, komischerweise sind mansche Rückläufe von den einzelnen Heizkreisen kalt und die anderen wiederum warm.
Sollte nicht alle mit der gleichen Temperatur ankommen wenn alles richtig berechnet worden ist?
Markus | 4. Oktober 2019 at 14:00 Antworten
Hallo, ist die Raumtemperatur nicht auch wichtig für den Durchfluss bzw. die Menge?
z.B. Bad soll anstatt 21 Grad 23 sein?
Sebastian | 27. Oktober 2019 at 09:58 Antworten
Gute Tag, ich schaue nun seit ganzen 2 Tagen ihr video rauf und runter aber komme einfach nicht auf ihr Ergebnis bei der Berechnung. Habe folgende Werte für das wz 616 w/m2, badezimmer 573, SZ 820, AZ 448, Kinderzimmer eins 406, WC 546 und Kinderzimmer zwei 792 w/2, können Sie mir da eventuell behilflich sein? Mfg Sebastian