Stand: 16. Oktober 2026
Die Ölheizung oder Gasheizung läuft noch, aber was kostet sie in den nächsten Jahren, und wann lohnt sich der Tausch? Diese Fragen stellen sich viele Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern mit einer Heizung, die älter als zehn Jahre ist. In diesem Beitrag ordnen wir ein, was bei CO₂-Preis, Strompreis, Heizkosten und Förderung schon feststeht und was noch offen ist.
Einige Punkte sind zeitgebunden. Wir aktualisieren den Beitrag zum 1. Februar 2027, wenn die Förderung sinkt, und sobald der Startpreis für den EU-Emissionshandel ETS2 feststeht.
Das Wichtigste zuerst
- Der nationale CO₂-Preis bleibt 2027 wie 2026 im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Der Bundestag hat die Änderung am 15. Oktober 2026 beschlossen, das weitere Verfahren (Bundesrat, Verkündung) steht noch aus. Bei 20.000 kWh Gas macht das 263 bis 311 Euro im Jahr aus, bei 2.000 Litern Heizöl 348 bis 412 Euro (jeweils inklusive Mehrwertsteuer).
- Ab 2028 startet der EU-Emissionshandel ETS2, der Preis wird dann am Markt gebildet. Wie hoch er ausfällt, ist offen. Ein KfW-Szenario nennt 50 bis 75 Euro pro Tonne zum Start und hält bis zu 120 Euro für denkbar.
- Strom wird 2027 voraussichtlich etwas teurer: Das vorläufige Übertragungsnetzentgelt steigt von 2,86 auf 3,54 Cent pro kWh. Laut Verivox sind das rund 10 Euro mehr im Jahr bei 4.000 kWh.
- Laut Heizspiegel 2026 kostet das Heizen im durchschnittlichen Einfamilienhaus 2026 voraussichtlich 2.745 Euro mit Öl (+28 %), 1.930 Euro mit Gas (−5 %) und 1.300 Euro mit Wärmepumpe (+3 %).
- Wer den Förderantrag bis zum 31. Januar 2027 stellt, bekommt noch 16 % Klimageschwindigkeitsbonus und bis zu 28.000 Euro förderfähige Kosten. Danach gelten 12 % und 27.250 Euro, im Beispiel 1.435 Euro weniger Zuschuss. Eine funktionierende Öl- oder Gasheizung darfst du weiter betreiben.
Inhaltsverzeichnis
- CO₂-Preis 2027 und ETS2 ab 2028: Was feststeht, was offen ist
- Strompreis 2027: Netzentgelte und Wärmepumpentarife
- Heizkosten im Vergleich: Öl, Gas und Wärmepumpe
- Förderung: Warum ein Antrag vor dem 1. Februar 2027 Geld spart
- Was das Heizungsgesetz für bestehende Heizungen bedeutet
- Checkliste: weiter betreiben, optimieren oder tauschen
- Fazit
CO₂-Preis 2027 und ETS2 ab 2028: Was feststeht, was offen ist
Was feststeht: Der CO₂-Preis steckt bereits im Preis für Heizöl und Erdgas, den du an deinen Lieferanten zahlst. In Deutschland gilt dafür seit 2026 ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂. Ursprünglich sollte 2027 der Preis frei am Markt entstehen und der EU-Emissionshandel ETS2 starten. Die EU hat den Start jedoch auf 2028 verschoben. Deshalb hat der Bundestag am 15. Oktober 2026 die Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) beschlossen, die den Korridor von 55 bis 65 Euro auch für 2027 festschreibt. Die Koalition hat im Umweltausschuss zusätzlich die Versteigerungsregeln angepasst, damit der Preis auf dem Niveau von 2026 stabil bleibt. Das weitere Verfahren (Bundesrat, Verkündung) steht noch aus. Der Bundesrat hatte im ersten Durchgang keine Einwände erhoben.
So rechnest du: Verbrauch in kWh × Emissionsfaktor × CO₂-Preis × 1,19 (Mehrwertsteuer). Als Emissionsfaktoren nutzen wir die vereinfachten Werte der Verbraucherzentrale: 201 g CO₂ pro kWh Erdgas und 266 g CO₂ pro kWh Heizöl. Für ein Beispielhaus mit 20.000 kWh Brennstoffverbrauch (bei Öl rund 2.000 Liter) ergibt sich im Korridor von 2027:
| Brennstoff | Rechnung | CO₂-Menge | bei 55 € pro Tonne | bei 65 € pro Tonne |
|---|---|---|---|---|
| Erdgas | 20.000 kWh × 0,201 kg | 4,02 t | ca. 263 € | ca. 311 € |
| Heizöl | 20.000 kWh × 0,266 kg | 5,32 t | ca. 348 € | ca. 412 € |
Zwischen dem unteren und dem oberen Ende des Korridors liegen bei Gas rund 48 Euro im Jahr, bei Öl rund 64 Euro. Gegenüber 2026 ändert sich 2027 nur etwas, wenn der Preis innerhalb des Korridors schwankt.
Was offen ist: Ab 2028 soll sich der Preis im ETS2 europaweit am Markt bilden. Zur Begrenzung starker Sprünge sieht das EU-System Stabilisierungsmechanismen vor, eine verlässliche Prognose gibt es aber nicht. Ein Szenario der KfW, das ursprünglich von einem Start 2027 ausging, rechnet zum Start mit 50 bis 75 Euro pro Tonne und hält bis zu 120 Euro für denkbar. Für das Beispielhaus würde das so aussehen (Szenario, keine Prognose):
| CO₂-Preis pro Tonne | Erdgas (20.000 kWh) | Heizöl (2.000 Liter) |
|---|---|---|
| 50 € | ca. 239 € | ca. 317 € |
| 75 € | ca. 359 € | ca. 475 € |
| 120 € | ca. 574 € | ca. 760 € |
Die Einschätzungen gehen auseinander. In der Anhörung im Bundestag am 7. Oktober wurde die Stabilisierung des Preises von mehreren Sachverständigen begrüßt. Der Bundesverband Wärmepumpe forderte dagegen eine höhere Obergrenze von bis zu 75 Euro, damit nicht der Eindruck entsteht, fossile Energie bleibe dauerhaft gedeckelt. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft warnte vor einer Finanzierungslücke von rund vier Milliarden Euro im Klima- und Transformationsfonds.
Strompreis 2027: Netzentgelte und Wärmepumpentarife
Wer auf eine Wärmepumpe umsteigt, zahlt künftig für Strom statt für Öl oder Gas. Deshalb lohnt ein Blick auf die Netzentgelte, die einen Teil des Strompreises ausmachen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben für 2027 ein vorläufiges durchschnittliches Netzentgelt von 3,54 Cent pro kWh angegeben, 2026 waren es 2,86 Cent. Grund ist vor allem ein geringerer Bundeszuschuss von 5,525 statt 6,5 Milliarden Euro. Der Wert ist noch nicht endgültig, weil das Gesetz zum Zuschuss noch nicht beschlossen ist.
Laut Verivox fällt der Effekt für Haushalte moderat aus: bei 4.000 kWh Jahresverbrauch rund 10 Euro mehr im Jahr, bei 2.800 kWh rund 7 Euro. Das gilt für Haushaltsstrom. Bei einer Wärmepumpe mit 6.000 kWh Jahresverbrauch wären es nach unserer groben Rechnung (0,24 Cent pro kWh inklusive Mehrwertsteuer) rund 14 Euro. Wie hoch deine Netzentgelte 2027 tatsächlich sind, legt dein örtlicher Verteilnetzbetreiber fest. Die Entgelte unterscheiden sich je nach Region und werden bis Mitte Oktober vorläufig veröffentlicht. Deine Werte findest du auf der Website deines Netzbetreibers.
Reduzierte Netzentgelte für die Wärmepumpe: Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW elektrischer Anschlussleistung gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf sie bei drohender Überlastung kurzzeitig drosseln, aber nicht unter 4,2 kW. Im Gegenzug sinken deine Netzentgelte. Zur Wahl stehen drei Module:
- Modul 1: pauschale Reduzierung um rund 110 bis 190 Euro pro Jahr (brutto, je nach Netzgebiet)
- Modul 2: Netzentgelt-Arbeitspreis um 60 % reduziert, dafür mit separatem Zähler und ohne zusätzlichen Grundpreis
- Modul 3: zeitvariable Netzentgelte, nur in Kombination mit Modul 1
Bei hohem Stromverbrauch lohnt sich oft Modul 2. Prüfe vor dem Abschluss eines Wärmepumpentarifs, ob dein Stromanbieter das gewünschte Modul tatsächlich weitergibt. Laut einer Finanztip-Umfrage tut das nur ein kleiner Teil der großen Versorger in allen Tarifen.
Heizkosten im Vergleich: Öl, Gas und Wärmepumpe
Wie sich die Kosten entwickeln, zeigt der Heizspiegel 2026 von co2online, dem Deutschen Mieterbund und dem Bauherren-Schutzbund (Stand 22. September 2026). Für das durchschnittliche Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern gilt:
| Heizung | Abrechnungsjahr 2025 | Prognose 2026 | Veränderung 2026 |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 2.040 € | 1.930 € | −5 % |
| Heizöl | 2.145 € | 2.745 € | +28 % |
| Wärmepumpe | 1.260 € | 1.300 € | +3 % |
Die Werte stammen aus dem Heizspiegel und beruhen auf anderen Annahmen als unser Rechenbeispiel mit 20.000 kWh. Beim Gas rechnet co2online 2026 mit einer leichten Entlastung, weil die Gasspeicherumlage wegfällt. Das gilt nicht dauerhaft: Für Gas- und Ölheizungen erwartet der Heizspiegel langfristig deutlich steigende Kosten, die sich bis 2045 mehr als verdoppeln könnten. Die Wärmepumpe ist im Betrieb in allen Prognosen die günstigste Heizart. Sie hat dafür höhere Anschaffungskosten. Ob sie sich für dein Haus rechnet, hängt von Dämmung, Vorlauftemperatur und Stromtarif ab.
Förderung: Warum ein Antrag vor dem 1. Februar 2027 Geld spart
Wer als Selbstnutzer eine alte Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, erhält aktuell 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus. Am 1. Februar 2027 sinkt der Bonus auf 12 %, und die förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit sinken von 28.000 auf 27.250 Euro. Danach geht es alle sechs Monate weiter nach unten, bis der Bonus im August 2028 ausläuft. Ein Beispiel (Selbstnutzer, Austausch einer alten Heizung, Kosten von mindestens 28.000 Euro, ohne Einkommensbonus):
| Antrag gestellt | Gesamtförderung | Förderfähige Kosten | Zuschuss |
|---|---|---|---|
| bis 31.01.2027 | 30 % + 16 % = 46 % | 28.000 € | 12.880 € |
| ab 01.02.2027 | 30 % + 12 % = 42 % | 27.250 € | 11.445 € |
| ab 01.08.2027 | 30 % + 8 % = 38 % | 26.500 € | 10.070 € |
| ab 01.02.2028 | 30 % + 4 % = 34 % | 25.750 € | 8.755 € |
Wer die erste Absenkung abwartet, verliert im Beispiel 1.435 Euro Zuschuss. Für das erste Quartal 2027 ist außerdem eine Änderung bei der Grundförderung angekündigt: Sie soll für Wärmepumpen auf 15 % sinken, ein neuer Wertschöpfungsbonus von 15 % soll Geräte mit EU-Fertigung ausgleichen. Frag deshalb beim Kauf nach dem Herstellungsort.
Für die Konditionen zählt das Antragsdatum. Dafür muss ein Vertrag mit Förderklausel vorliegen, also mit einer aufschiebenden oder auflösenden Bedingung, die ihn an die Förderzusage koppelt. Vor dem Antrag erstellt ein Fachunternehmen oder ein Energieeffizienz-Experte die Bestätigung zum Antrag. Plane dafür Zeit ein. Auch wer selbst mit anpacken möchte, braucht für die Förderung ein Fachunternehmen, das das Vorhaben bestätigt. Vorbereiten kannst du zum Beispiel den Aufstellort und die Unterlagen. Alle Details zur Wärmepumpen-Förderung findest du in unserem Förder-Beitrag.
Was das Heizungsgesetz für bestehende Heizungen bedeutet
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Eine bestehende Öl- oder Gasheizung darfst du weiter betreiben und reparieren, die frühere Pflicht zum Austausch 30 Jahre alter Standardheizungen wurde gestrichen. Neu eingebaute Öl- und Gasheizungen müssen dagegen ab 2029 schrittweise steigende Anteile klimaneutraler Brennstoffe nutzen, zunächst 10 %. Außerdem sollen Gas- und Ölanbieter ihren Produkten nach und nach mehr klimaneutrale Anteile beimischen. Die Details sind noch offen, sie können Brennstoffe aber absehbar verteuern. Was das Gesetz im Einzelnen regelt, erklären wir im Beitrag was das Heizungsgesetz für deine Heizung bedeutet.
Checkliste: weiter betreiben, optimieren oder tauschen
Ob sich ein Tausch lohnt, hängt von deinem Haus ab. Diese Kriterien helfen bei der Einordnung:
| Kriterium | Eher weiter betreiben | Eher optimieren | Eher tauschen |
|---|---|---|---|
| Alter und Zustand | Heizung läuft zuverlässig, Wartung ist aktuell | Heizung läuft, der Verbrauch ist aber hoch | Kessel nähert sich dem Ende der Lebensdauer (Öl- und Gasheizungen halten meist 15 bis 20 Jahre) |
| Reparaturkosten | gering | gelegentlich | Reparaturen häufen sich oder sind teuer |
| Dämmung, Heizkörper, Vorlauftemperatur | unsaniert, hohe Vorlauftemperatur nötig | Heizkörper zu klein oder hydraulischer Abgleich fehlt | Vorlauftemperatur-Test bestanden |
| Budget | kein Spielraum für eine größere Investition | kleines Budget | Investition möglich, Förderung nutzbar |
| Zeitplan Förderung | kein Tausch geplant | Tausch später geplant | Antrag vor dem 1. Februar 2027 möglich |
Als erste Orientierung hilft dieser vereinfachte Entscheidungsbaum:
Weiter betreiben: Lass die Heizung regelmäßig warten. Wenn du bewusst bei Gas bleiben möchtest, findest du bei uns Gas-Brennwertheizungen. Beachte dabei die Vorgaben zu klimaneutralen Brennstoffen ab 2029.
Optimieren: Ein hydraulischer Abgleich, smarte Thermostate, Heizkörper für niedrige Vorlauftemperaturen oder eine nachgerüstete Fußbodenheizung senken den Verbrauch und bereiten das Haus auf eine spätere Wärmepumpe vor.
Tauschen: Wärmepumpen ansehen oder eine Hybridheizung, bei der eine Wärmepumpe mit einem Öl- oder Gaskessel kombiniert wird. Auch Hybridheizungen können gefördert werden, welche Voraussetzungen gelten, klärst du vorab mit deinem Fachbetrieb. Eine Wärmepumpe funktioniert auch ohne Fußbodenheizung, wie wir im Beitrag Wärmepumpe ohne Fußbodenheizung zeigen.
Fazit
Für 2027 spricht beim CO₂-Preis nichts für Hektik: Der Rahmen bleibt gleich, und die Mehrkosten liegen im Korridor von 55 bis 65 Euro bei einigen Hundert Euro im Jahr. Offen ist, was ab 2028 mit dem ETS2 kommt. Fest steht dagegen die Förderung: Sie sinkt am 1. Februar 2027 und danach halbjährlich. Wer ohnehin tauschen möchte, sollte deshalb früh mit der Planung beginnen. Wer (noch) nicht tauscht, kann mit einem hydraulischen Abgleich, passenden Heizkörpern und smarten Thermostaten schon jetzt Kosten senken.
Hinweis: Förderbedingungen, Gesetze und Preise können sich ändern. Prüfe vor Entscheidungen und vor der Antragstellung die aktuellen Vorgaben der BEG bzw. der KfW oder lasse dich von einem Energieberater beraten.