Aktualisiert am
Fußbodenheizungen werden immer beliebter. Beinahe die Hälfte aller Neubauten werden heute schon damit ausgerüstet. Doch bevor die Fußbodenheizung in Betrieb genommen werden kann, muss man sie befüllen, spülen und entlüften. Dies ist ein zentraler Vorgang, damit die Fußbodenheizung später optimal funktioniert und die Wärme gleichmäßig abgibt. Dieser Vorgang steht an, sobald die Fußbodenheizung fertig verlegt ist und bevor der Estrich eingebracht wird.
Ein weiterer Grund, um einen Heizkreis zu spülen, besteht darin, dass die Fußbodenheizung entweder teilweise oder gar nicht warm wird, die gewünschte Temperatur nicht mehr erreicht oder zu viel Energie verbraucht. Dies ist häufig ein Indiz für Luft im Heizkreis.
Das Wichtigste zuerst
- Eine Fußbodenheizung wird befüllt, gespült und entlüftet, sobald sie fertig verlegt ist und bevor der Estrich eingebracht wird.
- Das Spülen hilft auch später, wenn die Fußbodenheizung nur teilweise oder gar nicht warm wird, die Temperatur nicht erreicht oder zu viel Energie verbraucht. Das ist häufig ein Hinweis auf Luft im Heizkreis.
- Üblich ist das Spülen und Befüllen über die Füllarmatur der Heizungsanlage. Das Wasser muss der VDI 2035 entsprechen. Alternativ gibt es eine Spül- und Befüllpumpe.
- Die Heizkreise werden einzeln gespült: Es darf immer nur ein Heizkreis geöffnet sein.
- Behalte den Anlagendruck im Auge. Steigt er über 2,5 bar, öffnet sich das Sicherheitsventil, und Heizungswasser tritt aus.
- Vor der Inbetriebnahme prüfst du die Einstellungen der Fußbodenheizung. In der kalten Jahreszeit muss der Bau ausreichend beheizt sein, damit die Anlage nicht einfriert.
Inhaltsverzeichnis
Wie entlüfte bzw. spüle ich den Heizkreis richtig?
Hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
Eine Möglichkeit besteht darin, die Befüllung über eine Spül- und Befüllpumpe durchzuführen. Ein solches Gerät hat allerdings längst nicht jeder zur Hand.
Eine andere und weitaus gebräuchlichere Variante ist das Spülen und Befüllen über die Füllarmatur der Heizungsanlage. Hierbei ist es enorm wichtig zu beachten, dass das Wasser zum Befüllen und Spülen der Anlage der VDI 2035 entsprechen muss. Diese Art des Entlüftens erläutert die folgende Anleitung im Detail.
| Möglichkeit | So funktioniert es | Hinweis |
|---|---|---|
| Spül- und Befüllpumpe | Das Befüllen erfolgt über die Pumpe, der Rücklaufschlauch führt zum Vorratsbehälter der Pumpe | Ein solches Gerät hat längst nicht jeder zur Hand |
| Füllarmatur der Heizungsanlage | Ein Wasserschlauch verbindet die Wasserquelle mit dem KFE-Hahn am Vorlaufbalken, der Rücklaufschlauch führt zu einem freien Abfluss | Weitaus gebräuchlicher, das Wasser muss der VDI 2035 entsprechen |
Das brauchst du zum Spülen und Befüllen
- Zwei Schläuche: einer für den Vorlauf, einer für den Rücklauf des Heizkreisverteilers
- Wasserquelle mit Zapfventil: für den Wasserzulauf, das Wasser muss der VDI 2035 entsprechen
- Freier Abfluss: zum Beispiel Toilette, Waschbecken, Badewanne oder Bodenlauf. Bei Einsatz einer Spül- und Befüllpumpe führt der Rücklaufschlauch stattdessen zum Vorratsbehälter der Pumpe.
- KFE-Hähne am Heizkreisverteiler: die Kessel-, Füll- und Entleerhähne am Vor- und Rücklaufbalken, an die die Schläuche angeschlossen werden
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Um die einzelnen Heizkreise zu befüllen und zu entlüften, wird zuerst der Kugelhahn am Vorlaufbalken des Heizkreisverteilers geschlossen:
Schritt 2: Anschließend werden alle Heizkreise am Heizkreisverteiler durch Aufsetzen und Zudrehen der Kappen verschlossen:
Schritt 3: Danach werden alle Heizkreise am Heizkreisverteiler durch Aufsetzen und Zudrehen der Kappen verschlossen:
Schritt 4: Nun wird ein Wasserschlauch an den KFE-Hahn des Vorlaufbalkens des Heizkreisverteilers angeschlossen:
Schritt 5: Das andere Ende des Wasserschlauchs wird mit dem Zapfventil der Wasserquelle verbunden:
Schritt 6: Im nächsten Schritt wird ein Schlauch an den KFE-Hahn des Rücklaufbalkens angeschlossen und entweder zu einem freien Abfluss (z. B. Toilette, Waschbecken, Badewanne, Bodenlauf) oder zum Vorratsbehälter der Spül- und Befüllpumpe geführt:
Schritt 7: Der Wasserzulauf wird nun geöffnet:
Schritt 8: Anschließend werden die beiden KFE-Ventile am Heizkreisverteiler geöffnet:
Schritt 9: Dann wird langsam durch Abdrehen der Kappe vom ersten Heizkreisventil der erste Heizkreis geöffnet:
Schritt 10: Der Heizkreis wird so lange gespült, bis keine Luft mehr austritt und nur noch Wasser aus dem Schlauch fließt:
Schritt 11: Anschließend wird der gespülte Heizkreis wieder durch Zudrehen der Kappe geschlossen:
Schritt 12: Danach wird der zweite Heizkreis durch Abdrehen der Kappe geöffnet:
Schritt 13: Auch dieser Heizkreis wird gespült, bis keine Luft mehr im austretenden Heizungswasser erkennbar ist. Nach diesem Prinzip werden alle vorhandenen Heizkreise entlüftet:
Achtung: Bitte unbedingt darauf achten, dass immer nur ein Heizkreis während des Spülvorgangs geöffnet ist. Zudem muss der Anlagendruck im Auge behalten werden. Steigt dieser beim Befüllen oder nach dem Schließen über 2,5 bar, öffnet sich das Sicherheitsventil und das überschüssige Heizungswasser tritt aus.
Schritt 14: Wurden alle Heizkreise gespült, werden nacheinander das Entlüftungsventil des Vor- und das des Rücklaufbalkens des Heizkreisverteilers geöffnet, um eventuell noch darin enthaltene Luft aus dem System zu entfernen:
Schritt 15: Nun werden die KFE-Ventile geschlossen und die beiden Schläuche entfernt:
Schritt 16: Abschließend werden die Kugelhähne am Heizkreisverteiler geöffnet:
Die Fußbodenheizung ist nun befüllt und einsatzbereit. Dennoch empfehlen wir, vor Inbetriebbahme die Einstellungen der Fußbodenheizung noch einmal zu überprüfen.
Während der kalten Jahreszeit ist darauf achten, dass während und nach der Befüllung der Anlage der Bau ausreichend geheizt ist, um ein Einfrieren der Anlage zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Befüllen, Spülen und Entlüften von Fußbodenheizungen
Warum reicht Entlüften allein manchmal nicht aus?
Wenn Ablagerungen, Schlamm oder Installationsrückstände im Rohrsystem sind, bleibt trotz Entlüften die Heizleistung schwach. In diesem Fall ist ein vollständiges Spülen aller Heizkreise notwendig, um das System hydraulisch zu stabilisieren.
Was ist der Unterschied zwischen Spülen und Befüllen?
Spülen entfernt Luft, Schmutz und Rückstände aus dem System. Befüllen stellt den endgültigen Arbeitsdruck mit sauberem Wasser her. Beides wird in der Regel direkt hintereinander durchgeführt.
Kann ich Leitungswasser zum Befüllen der Fußbodenheizung verwenden?
Das hängt von der Wasserqualität ab. Zu hoher Härtegrad oder ein hoher Salzgehalt können die Anlage langfristig schädigen. Viele Installationen nutzen enthärtetes oder aufbereitetes Wasser nach VDI‑Richtlinien.
Wie erkenne ich, ob das Wasser ausreichend entlüftet wurde?
Deutliche Anzeichen sind gleichmäßige Raumtemperaturen, stabile Rücklauftemperaturen, ruhige Pumpenlaufgeräusche und keine Luftblasen mehr am Entleerungsventil. Wenn die Pumpe nicht mehr „surrt“ oder „gurgelt“, ist Luft weitgehend entfernt.
Muss die Umwälzpumpe während des Spülens eingeschaltet sein?
Nein. Während des Spülens von Einzelkreisen wird die Pumpe ausgeschaltet, damit kein Wasser quer durch andere Kreise gedrückt wird. Die Pumpe läuft erst beim finalen Betriebsstart wieder.
Wie hoch ist der Druckverlust durch eingeschlossene Luft?
Schon 1–2 Liter eingeschlossene Luft können den Durchfluss massiv verringern. Das führt dazu, dass die Heizkreise nicht vollständig durchströmt werden und Räume teilweise kalt bleiben.
Kann Luft auch nach dem Spülen wieder in die Fußbodenheizung gelangen?
Ja – zum Beispiel durch Undichte Verschraubungen, defekte Entlüfter, häufiges Nachfüllen oder zu niedrigen Anlagenvordruck. In diesem Fall sollte das System überprüft und erneut entlüftet werden.
Muss die Fußbodenheizung nach jedem Sommer neu entlüftet werden?
Nicht unbedingt. Moderne Systeme bleiben stabil, wenn der Druck konstant ist, keine Luft eindringt. Ein kurzes Nachentlüften zu Beginn der Heizsaison kann aber sinnvoll sein, weil Luft sich im Sommer im System sammelt.
Wie lässt sich verhindern, dass sich Luft zukünftig erneut ansammelt?
Empfohlen wird korrekt eingestellter Vordruck, funktionierender automatischer oder manueller Entlüfter, regelmäßige Anlagenkontrolle und hydraulischer Abgleich nach Änderungen. So bleibt die Fußbodenheizung langfristig störungsfrei.