Wärmepumpen gelten als zukunftsfähige und nachhaltige Heizlösung, doch rund um die Technologie kursieren viele Mythen und Fehlannahmen. Einige davon entstammen alten Erfahrungen, andere aus Unsicherheit oder unvollständigem Wissen. Dieser Blogbeitrag räumt mit den hartnäckigsten Mythen auf und erklärt, was wirklich hinter den Vorurteilen steckt.
Inhaltsverzeichnis
- Mythos 1: Wärmepumpen funktionieren nicht bei Minusgraden
- Mythos 2: Wärmepumpen eignen sich nur für Neubauten
- Mythos 3: Wärmepumpen sind zu teuer
- Mythos 4: Wärmepumpen schaffen nicht genug Wärme
- Mythos 5: Wärmepumpen sind laut und stören Nachbarn
- Mythos 6: Wärmepumpen sind neue, unerprobte Technik
- Mythos 7: Wärmepumpen erhöhen den Stromverbrauch stark
- Mythos 8: Wärmepumpen arbeiten nur mit Fußbodenheizungen
- Mythos 9: Die Installation einer Wärmepumpe ist extrem komplex und aufwändig
- Mythos 10: Wärmepumpen kommen für Mehrfamilienhäuser nicht infrage
- Mythos 11: Auf Erdkollektoren darf nichts bepflanzt werden
- Mythos 12: Das Kältemittel in Wärmepumpen ist gesundheitsschädlich
- Fazit
Mythos 1: Wärmepumpen funktionieren nicht bei Minusgraden
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, Wärmepumpen funktionieren nur, wenn es draußen nicht zu kalt ist. Das stimmt so nicht. Moderne Wärmepumpen sind speziell dafür entwickelt, Energie auch aus kalter Umgebung zu gewinnen – sei es aus Luft, Erde oder Wasser. Selbst bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt können viele Systeme effizient Wärme erzeugen. In Regionen mit extrem kalten Wintern werden oft Wasser- oder Solewärmepumpen eingesetzt, die auf gleichbleibend hohe Wärmequellen zugreifen und besonders zuverlässig arbeiten.
Mythos 2: Wärmepumpen eignen sich nur für Neubauten
Ein häufig gehörter Mythos ist, Wärmepumpen seien nur für neu erbaute oder vollständig sanierte Häuser geeignet. Tatsächlich können Wärmepumpen auch in bestehenden Gebäuden effizient und wirtschaftlich betrieben werden. Entscheidend ist, dass die Anlage richtig geplant und dimensioniert wird und die Heizlast des Gebäudes berücksichtigt wird. Oft reichen schon Teil-Sanierungsmaßnahmen oder der Austausch einzelner Heizkörper, um einen effizienten Betrieb zu ermöglichen. Die Einschätzung sollte im Einzelfall mit Fachleuten erfolgen.
Mythos 3: Wärmepumpen sind zu teuer in der Anschaffung
Oft wird behauptet, Wärmepumpen seien in der Anschaffung zu teuer und daher wirtschaftlich unattraktiv. Dabei wird jedoch häufig die aktuelle Förderlage außer Acht gelassen. In Deutschland werden Wärmepumpen aktuell staatlich stark gefördert, sodass sich die Investitionskosten deutlich reduzieren lassen. Je nach Ausgangssituation und gewähltem System sind Zuschüsse von bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich. Dadurch sinken die tatsächlichen Anschaffungskosten erheblich und liegen in vielen Fällen auf einem ähnlichen Niveau wie bei konventionellen Heizsystemen. In Kombination mit niedrigen Betriebskosten relativiert sich der Kostenfaktor Wärmepumpe deutlich.
Mythos 4: Wärmepumpen schaffen nicht genug Wärme
Ein weiteres Vorurteil ist, Wärmepumpen würden nicht ausreichend Wärme erzeugen, insbesondere an kalten Tagen. In Wahrheit wird bei der Dimensionierung einer Wärmepumpe für jedes Gebäude die benötigte Heizleistung berechnet. Ist die Anlage richtig ausgelegt, deckt sie problemlos die gesamte benötigte Heizlast. Moderne Systeme sind in verschiedenen Leistungsklassen verfügbar und können so individuell angepasst werden. Auch spezielle Hochtemperatur-Modelle erreichen hohe Vorlauftemperaturen über 70 °C.
Mythos 5: Wärmepumpen sind laut und stören Nachbarn
Manche Menschen glauben, Wärmepumpen seien laut und störend. Luft-Wasser-Wärmepumpen haben zwar eine Außeneinheit mit Ventilator, aber moderne Anlagen sind deutlich leiser als ältere Modelle. Werte zwischen etwa 30 dB(A) und 40 dB(A) sind üblich – das entspricht in etwa dem Geräusch eines Kühlschranks. Zudem kann eine fachgerechte Aufstellung und Abschirmung den Schall reduzieren.
Mythos 6: Wärmepumpen sind neue, unerprobte Technik
Ein weiteres klassisches Missverständnis ist, Wärmepumpentechnik sei neu und noch nicht ausreichend erprobt. Tatsächlich gibt es Wärmepumpen bereits seit Jahrzehnten im praktischen Einsatz. Die Technik basiert auf dem gleichen Prinzip wie Kühlschränke oder Klimageräte und wurde schon in den 1970er-Jahren kommerziell eingeführt. Gerade durch die lange Entwicklung und großmaßstäbliche Produktion sind heutige Geräte sehr zuverlässig und robust.
Mythos 7: Wärmepumpen erhöhen den Stromverbrauch stark
Wärmepumpen benötigen Strom, doch dieser Mythos vergleicht oft Äpfel mit Birnen. Eine Wärmepumpe verbraucht deutlich weniger Energie als elektrische Direktheizungen, da sie Umweltwärme nutzt und aus einer Kilowattstunde Strom ein Vielfaches an Heizenergie erzeugt. Der Stromverbrauch im Haushalt steigt zwar, gleichzeitig sinken jedoch die Kosten für andere Energieträger wie Gas oder Öl. Zusätzlich lässt sich eine Wärmepumpe sehr gut mit einer Photovoltaikanlage kombinieren, sodass ein Teil des benötigten Stroms selbst erzeugt und direkt genutzt werden kann.
Mythos 8: Wärmepumpen arbeiten nur mit Fußbodenheizungen
Ein klassischer Irrtum lautet, Wärmepumpen könnten nur effizient funktionieren, wenn eine Fußbodenheizung vorhanden ist. Das ist nicht korrekt. Wärmepumpen können auch mit klassischen Heizkörpern kombiniert werden, solange diese ausreichend groß dimensioniert sind und für niedrigere Vorlauftemperaturen ausgelegt werden. In manchen Fällen werden spezielle Wärmepumpen-Heizkörper genutzt, die durch größere Oberfläche oder unterstützende Ventilatoren die Wärmeübertragung verbessern. Eine Fußbodenheizung kann die Effizienz verbessern, weil sie mit niedrigeren Vorlauftemperaturen arbeitet, sie ist aber keine zwingende Voraussetzung für einen zuverlässigen und effizienten Betrieb.
Mythos 9: Die Installation einer Wärmepumpe ist extrem komplex und aufwändig
Ein weiteres Missverständnis ist, dass die Installation einer Wärmepumpe grundsätzlich sehr kompliziert oder nur mit hohem Aufwand möglich sei. Zwar gehört zur Planung und Montage ein fachkundiger Heizungsbauer, doch der Installationsprozess ist heutzutage in der Regel gut strukturiert und routiniert. Insbesondere bei Luft-Wasser-Wärmepumpen ist der Aufbau vergleichsweise unkompliziert, da keine Erdarbeiten notwendig sind. Selbst bei Sole- oder Wasser-Wärmepumpen sorgt ein qualifizierter Fachbetrieb dafür, dass Standortwahl, Hydraulik und Anbindung an das Heizsystem effizient und sauber umgesetzt werden. Eine professionelle Installation gehört ohnehin zur Voraussetzung für Fördermittel und langfristige Betriebssicherheit, ist aber kein unnötig komplexer Prozess.
Mythos 10: Wärmepumpen kommen für Mehrfamilienhäuser nicht infrage
Oft wird behauptet, Wärmepumpen seien nur für Einfamilienhäuser geeignet und in Mehrfamilienhäusern technisch oder wirtschaftlich nicht umsetzbar. Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild. Gerade bei Modernisierungen mit bestehenden Zentralheizungen lassen sich Wärmepumpen sehr gut integrieren, entweder als alleinige Lösung oder in Kombination mit einem fossilen Spitzenlastgerät. Für kleinere Mehrfamilienhäuser kommen häufig Kaskadenlösungen mit mehreren Luft-Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz, während in größeren Gebäuden oder Wohnkomplexen kombinierte Systeme mit unterschiedlichen Wärmequellen realisiert werden. Viele dieser Konzepte sind bereits tausendfach erfolgreich umgesetzt worden. In Gebieten mit geplanter Wärmenetzversorgung sollte ein Anschluss wirtschaftlich geprüft werden, grundsätzlich sind Wärmepumpen jedoch auch im Mehrfamilienhaus eine realistische und erprobte Option.
Mythos 11: Auf Erdkollektoren darf nichts bepflanzt werden
Manche gehen davon aus, dass die Fläche über Erdkollektoren einer Sole-Wärmepumpe komplett ungenutzt bleiben muss. Das stimmt so nicht. Eine normale Bepflanzung mit Rasen oder flachwurzelnden Pflanzen ist in der Regel problemlos möglich. Einschränkungen gibt es lediglich bei tiefwurzelnden Bäumen oder stark wuchernden Pflanzen, da deren Wurzeln die Kollektoren beschädigen oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden könnten. Auch immergrüne Pflanzen sind weniger geeignet, weil der Boden im Umfeld der Kollektoren etwas kühler sein kann. Grundsätzlich bleibt die Fläche jedoch nutzbar und muss nicht brachliegen.
Mythos 12: Das Kältemittel in Wärmepumpen ist gesundheitsschädlich
Ein weiterer Mythos betrifft das Kältemittel im Inneren der Wärmepumpe. Zwar handelt es sich dabei um eine technische Substanz, die den Wärmetransport ermöglicht, doch sie zirkuliert dauerhaft in einem geschlossenen System. Ein Austritt ist bei fachgerechter Installation und Wartung sehr unwahrscheinlich. Ältere Anlagen verwendeten teilweise Kältemittel mit höherem Treibhauspotenzial, moderne Wärmepumpen setzen jedoch zunehmend auf natürliche Kältemittel wie Propan. Diese gelten als besonders klimafreundlich und sind selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Austritts nicht gesundheitsschädlich. Damit ist das Thema Kältemittel heute deutlich weniger kritisch, als häufig angenommen wird.
Fazit
Noch immer halten sich zahlreiche Mythen über Wärmepumpen, doch viele davon basieren auf veralteten Informationen oder Missverständnissen. Moderne Wärmepumpensysteme sind technisch ausgereift, effizient und wirtschaftlich sinnvoll – auch in Bestandsgebäuden. Sie funktionieren bei niedrigen Temperaturen, sind leise und im Betrieb meist günstiger als viele erwarten. Entscheidend für ihren Erfolg ist eine durchdachte Planung, richtige Dimensionierung und fachgerechte Installation. Mit offenen Augen und fundierten Informationen lassen sich viele Irrtümer leicht entkräften und die Vorteile dieser nachhaltigen Technologie deutlich erkennen.
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FAQ zu Wärmepumpen-Mythen
Werden Wärmepumpen bei Strommangel als erstes abgeschaltet?
Nein. Wärmepumpen können zwar netzdienlich gesteuert werden, sie werden jedoch nicht pauschal oder bevorzugt abgeschaltet. Netzbetreiber haben die Möglichkeit, die Leistung zeitweise zu reduzieren, um Lastspitzen auszugleichen. Diese Steuerung erfolgt geregelt und so, dass die Wärmeversorgung im Gebäude weiterhin sichergestellt bleibt. Eine vollständige Abschaltung im normalen Netzbetrieb ist nicht vorgesehen.
Gefährden viele Wärmepumpen das Stromnetz und verursachen einen Blackout?
Der zunehmende Einsatz von Wärmepumpen stellt das Stromnetz nicht automatisch vor unlösbare Probleme. Wärmepumpen sind steuerbare Verbraucher und können flexibel auf Netzanforderungen reagieren. Zudem wird der Netzausbau kontinuierlich vorangetrieben. In Kombination mit Photovoltaik und Speichern können Wärmepumpen sogar zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen, statt es zu belasten.
Funktioniert eine Wärmepumpe bei einem Stromausfall nicht mehr?
Wie jedes elektrisch betriebene Heizsystem benötigt auch die Wärmepumpe Strom. Bei einem Blackout kann sie daher nicht arbeiten. Das gilt jedoch ebenso für Gas- oder Ölheizungen, da auch diese elektrische Komponenten wie Steuerung oder Pumpen benötigen. Mit einer Photovoltaikanlage und einem geeigneten Notstromsystem kann die Versorgungssicherheit zusätzlich erhöht werden.
Muss ein Haus komplett saniert sein, damit sich eine Wärmepumpe lohnt?
Eine vollständige Sanierung ist nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist die Heizlast des Gebäudes und eine fachgerechte Auslegung der Anlage. In vielen Bestandsgebäuden reichen bereits kleinere Optimierungen wie größere Heizkörper oder eine Anpassung der Heizkurve aus. Eine bessere Dämmung steigert zwar die Effizienz, ist aber keine Grundvoraussetzung für den Einsatz einer Wärmepumpe.
Arbeitet eine Wärmepumpe nur mit niedrigen Vorlauftemperaturen effizient?
Wärmepumpen arbeiten besonders effizient bei niedrigen Vorlauftemperaturen, wie sie etwa bei Fußbodenheizungen üblich sind. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen können jedoch auch höhere Vorlauftemperaturen von über 60 oder sogar 70 Grad Celsius erreichen. Dadurch lassen sie sich auch mit klassischen Heizkörpern kombinieren, wenn das System richtig geplant ist.
Vereisen Luft-Wasser-Wärmepumpen ständig im Winter?
Eine zeitweise Eisbildung am Verdampfer ist bei niedrigen Temperaturen normal und technisch einkalkuliert. Moderne Geräte verfügen über automatische Abtauprogramme, die die Eisbildung regelmäßig und effizient entfernen. Dauerhafte Vereisung tritt bei korrekt installierten und dimensionierten Anlagen nicht auf.
Wird der hohe Wirkungsgrad einer Wärmepumpe nur unter Laborbedingungen erreicht?
Nein. Der Wirkungsgrad wird im Alltag durch die sogenannte Jahresarbeitszahl beschrieben, die reale Betriebsbedingungen berücksichtigt. Moderne Wärmepumpen erreichen auch im Praxisbetrieb sehr gute Effizienzwerte. Voraussetzung ist eine fachgerechte Planung und Abstimmung auf das Gebäude.
Lassen sich Wärmepumpen gut reparieren?
Wärmepumpen bestehen aus bewährter Kälte- und Heiztechnik, die seit Jahrzehnten eingesetzt wird. Ersatzteile sind bei Markenherstellern in der Regel langfristig verfügbar. Durch regelmäßige Wartung lassen sich viele Störungen frühzeitig erkennen und beheben. Die Reparaturfähigkeit ist somit grundsätzlich gegeben.
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
Die Lebensdauer liegt in der Regel zwischen 15 und 25 Jahren. Sole- und Wasser-Wärmepumpen erreichen häufig längere Laufzeiten, da sie unter stabileren Bedingungen arbeiten. Entscheidend für die Haltbarkeit sind Qualität der Komponenten, richtige Dimensionierung und regelmäßige Wartung.
Wie beeinflusst eine Wärmepumpe den Wert meiner Immobilie?
Eine moderne, effiziente Heiztechnik wirkt sich in der Regel positiv auf den Immobilienwert aus. Wärmepumpen verbessern die Energieeffizienzklasse, reduzieren laufende Betriebskosten und machen das Gebäude unabhängiger von fossilen Energieträgern. Gerade im Hinblick auf steigende Anforderungen an Energieeffizienz gewinnt eine nachhaltige Heizlösung zunehmend an Bedeutung.